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Die Reisegesellschaft
Die Reisegesellschaft ist eine Gemeinschaft an Männern, die seit ihrer Geburt das Kind begleiten, sich um sie kümmern, sie von Ort zu Ort transportieren, ihre Worte Übersetzen und Interpretieren, sowie auch die Aufmerksamkeit der Menschen erregen und sich darum kümmern, dass das Wort des Kindes auch umgesetzt wird.
Sie alle wurden als Kinder, aus unterschiedlichsten Gründen, an die Reisegesellschaft übergeben und von ihnen als Teil dieser Aufgezogen. Die meisten waren dabei noch Säuglinge. Nur sehr selten werden auch Kleinkinder angenommen. Ältere Kinder überhaupt nicht und selbst jene, die als Kleinkinder in de Gemeinschaft eingetreten sind, verlassen diese meist als Erwachsene. Die Lebensweise der Reisegesellschaft macht es äußerst schwierig sich dieser Vollumfassend hin zu geben, wenn es nicht von Geburt an zu dem eigenen Alltag gehört.
Die einzige Ausnahme davon stellen Jäger, Händler und Boten dar. Sie bilden den sozialen und hirarchischen Rand der Reisegesellschaft und sind gleichzeitig die Brücke und Kommunikationsrohr zu anderen Gemeinscahften. Sie werden vollends durch Spätberufene zusammengesetzt. Menschen die bereits Erfahrung und Verständnis für die Welt außerhalb der geistlichen Sphären des Kindes gesammelt haben.
Hierarchische Ordnung in der Reisegesellschaft
Die Reisegesellschaft Strukturiert sich in mehrere, in Macht, Ansehen und Zugang zum Kind sich unterscheidende und dadurch aufeinander Aufsetzende „Stände“. Zwar werden diese gerne als „Säulen“ beschrieben, was eine Gleichberechtigung suggeriert, aber es gibt klare Grenzen in Zuständigkeit und Kompetenz zwischen ihnen. Direkten Zugang zum Kind haben dementsprechend auch nur die Personen im höchsten Stand. Jeder Stand beinhaltet mehrere Aufgaben und jede Person der Reisegesellschaft besitzt auch eine Aufgabe. Ohne Aufgabe ist man nicht Teil der Reisegesellschaft.
Personen werden in der Reisegesellschaft nicht als Individuen gesehen, sondern als Teil eines Kollektivs oder Organismuses der sich nur durch das gemeinsame Zusammenhalten und Zusammenwirken am Leben erhalten kann. Personen werden also nicht anhand ihres Namens markiert, sondern ausschließlich anhand ihrer Aufgabe. Jede Person IST ihre Aufgabe und nur diese. Die jeweilige Aufgabe ist der einzige Sinn dieser Person und wird nicht, wie etwa ein Beruf auch abgelegt und kann auch nicht ausgetauscht werden. Somit sind die Personen auch den ganzen Tag und Jederzeit dafür Zuständig.
Die einzelnen Stände werden nicht nur als Säulen, sondern auch wie eine Familie gedacht, wo alle ihre klare Funktion und Regelung haben, welche gemeinsam zum Ziel haben das Kind zu behüten. Dabei verlieren hier die Bezeichnungen jegliche Zuordnung zu einem sozialen Geschlecht. Sie dienen als Metaphern, welche bestimmte Qualitäten und damit eben auch Stände beschreiben.
1. Die Mütter
Hierunter fallen die Aufgaben, welche sich als intelektuell und Spirituell im Einklang mit dem Kind verstehen und dadurch auch Brücke bilden zwischen dem Kind und der Außenwelt. Wenn sie gerade nicht ihre Aufgabe bekleiden wirken sie oft wie Statuen oder als wären sie eingeschalfen. Denn dann sitzen sie still, nur unmerklich atmend, neben dem Kind, scheinbar in Trance, und warten auf dessen näcshten Worte.
Die Höhrenden
Die Höhrenden sind die einzigen die direkt mit dem Kind kommunizieren. Sie übersetzen die Fragen der Besucher*innen in den Sprachduktus des Kindes und schreiben anschließend auch seine Worte für die Nachwelt nieder.
Niemand versteht das Kind besser als sie, denn niemand hat mehr Zeit mit dem Kind verbracht. Sie sind dessen einzige Konversationspartner auf Augenhöhe. Sie wissen als einzige was sich das Kind denkt, wenn es nicht eine öffentliche Funktion bekleidet. Manche behaupten sogar, dass das Kind mit ihnen ihre geheimsten Wünsche und selbst Träume teilt.
Die Höhrenden verbringen von ihrer ersten Stunde in der Resegesellschaft fast ihre ganze Zeit bei dem Kind und werden auch teilweise von ihr unterrichtet. Dementsprechend sprechen sie äußerst ähnlich zum Kind selbst und sind ebenso schwer für andere zu verstehen. Ihre Hände und ihr eingehendes Wissen über dessen Sprache sind aber der erste und äußert wichtige Schritt in dem Übersetzungsprozess hin zu einer Botschaft die für andere rezipierbar ist.
Die Übersetzer
Als Übersetzer werden jene bezeichnet, welche die niedergeschriebenen Worte der Hörenden in eine allgemein gültige Sprache übersetzen und auch Interpretationen mitliefern, wie diese Worte auszulegen sind. Auch sie haben ein äußerst intrinsisches Wissen über die Sprache des Kindes, jedoch sind sie nach den ersten Jahren der Lehre unter dem Kind wieder von diesem entfernt worden, um sie in die Obhut eine der Oheime oder Basen zu geben.
Dort haben sie auch ein Verständnis für die weltlichen Dinge und Aufgaben erlernt. Somit können sie als Mittler zwischen den Welten fungieren. Manche von ihnen nehmen sich sogar einige Jahre Auszeit um in eine der Dörfer zu bleiben bis die Reisegesellschaft wieder in das betreffende Dorf kommt.
Innerhalb der Reisegesellschaft werden diese Übersetzer besonders hoch geschätzt. Denn niemand vermag es so klar die Bedürfnisse und Wünsche der Dorfbewohner abzuschätzen und in den Äußerungen des Kindes wiederzufinden. Bei politisch schwierigen Vorhaben, wenn besonders viel Feingefühl gefragt ist, werden sie oft vorgeschickt um den Botschaften des Kindes eine größere Erfolgschance zuzugestehen ohne auf Gewalt zurückzugreifen zu müssen.
Innerhalb der Übersetzer gibt es keinen Konsens wie die Worte des Kindes auszulege sind. Jeder Übersetzer findet seinen eigenen Zugang zu den Worten. Abhängig von den eigenen Erfahrungen und den Oheimen/Basen denen man zugewiesen wurde. Dennoch haben sich verschiedene Denkschulen herausgebildet.
Wörtliche Auslegung - Die Schule der Väter
Übersetzer dieser Denkschule sind davon überzeugt, dass jedes der Worte des Kindes Wortwörtlich auszulegen ist. Es sind keine rethorsichen Figuren, wie metaphern, anaphern, ellipsen usw. darin zu finden, sondern pure Fakten, hisotirsche Begebenheiten und objektive Aussagen. Man muss also den Aussagen des Kindes nur möglichst direkt folgen um dessen Willen zu finden und wiederzugeben. Es werden also stets weltliche Handlungesanweisungen aus den Worten des *Kindes* abgelesen.
Spirituelle Auslegung - Die Schule der Mütter
Diese Denkschule kann als das Gegenstück zur wörtlichen Auslegung verstanden werden. Die Worte sind eben nicht durch einen direkten Bezug zur Wirklichkeit gekennzeichnet, sondern werden nur wegen ihrer Ähnlichkeit zu jenen höheren, transzendenten Dingen von dem Kind verwendet. Das Kind selbst versucht dadurch einen höheren, spirituellen Sinn wiederzugeben, welcher sich in Geisteshaltungen, moralischen Wertungen und tieferen Einblicken in das Sein äußert. Es werden also stets spirituelle und esoterische Handlungsanweisungen aus den Worten des Kindes abgelesen.
Liebevolle Auslegung - Die Schule der Geschwister
Diese Denkschule ist in ihren Ergebnissen eine Mischform aus der Schule der Mütter und der Väter. Sie geht davon aus, dass das Kind in das Tal gesandt wurde um den Menschen zu einem Liebevollen und Friedfertigen Zusammenleben zu verhelfen in denen alle Gleichberechtigt sind und niemand zu leiden hat. Alle Aussagen werden von ihnen deshalb dahingehend untersucht wie sie diese liebevolle Gleichberechtigung belegen und verstärken können. Die daraus resultierenden Handlgunsanweisungen sind wohl spirituell (also auf die innere Haltung der Menschen abzielend) als auch Konkret und weltlich (auf den Handlungsspielraum der Menschen hin abzielend).
Endzeitliche Auslegung - Die Schule der Oheime und Basen
Die letzte der größeren Denkschulen ist der Grundüberzeugung, dass das Kind kein Heilsbringer ist, sondern ein Bote des Weltunterganges. Alle Worte sind als Warnungen und Hilfestellungen zu verstehen diesen Weltuntergang einhalt zu gebieten. Das heißt die Interpretation muss daraufhin abzielen sich zu Fragen was sie mit dem Weltuntergang zu tun hat und wie man diesen dadurch abwenden kann.
Häretische Unterströmung
Hin und wieder kommt es vor, dass sich aus dieser Denkschule einzelne Häretiker herausbilden, welche davon ausgehen, dass das Kind eigentlich als ein Verführer zu verstehen ist, welches mit den Aussagen die Menschheit nicht von dem Weltuntergang weg, sondern eben zu ihm hinführen will. Dementsprechend müssen alle Äußerungen des Kindes auf ihr Gegenteil hin überprüft werden und diese Gegenteil dann ausgeführt werden.
Häufigkeit der Denkschulen
Von diesen Denkschulen sind die ersten beiden am stärksten vertreten und üben demtensprechend, innerhalb auch am meisten Druck auf die Deutungshoheit aus. Sie werden auch oft als sich gegenseitig Bedingende Schulen verstanden und von allen Übersetzern gleichermaßen geschätzt und als valide anerkannt.
Die Schule der Geschwister und der Oheime und Basen ist demgegenüber eher schwächer vertreten und wird von den jeweils anderen Schulen stets belächelt und abschätzig vetrachtet. Ihnen anzugehören entspricht also in gewissem Sinne einem rebellsichen Akt, innerhalb der rigiden Strukturen.
1. Die Väter
Hierunter fallen alle Körperlichen Aufgaben die direkte Interaktion mit dem Kind benötigen. Wer dieser Säule angehört wird nicht vom Kind selbst erzogen, sondern von einem der anderen Väter. Obwohl ihre Aufgaben zunächst simpler und banaler erscheinen, als jene der Mütter, sind sie innerhalb der hierarchischen Ordnung der Reisegesellschaft mit ihnen Gleichgestellt, da sie mit dem Kind direkt interagieren.
Die Träger
Sie sind für jegliche Form der Mobilisierung des Kindes verantwortlich. Auf kurzen und mittellangen Strecken, sowie im beschwerlichen Gelände mittels einer Trage auf den Schultern, bei langen Strecken und guter Straßenlage mittels eines prunkvoll geschmückten Ochsenkarrens. Sie sind auch für die Sauberkeit und Instandhaltung aller Mittel verantwortlich, welche für den Transport notwendig sind, sowie die letzte Wachgruppe, welche das Kind vor unerwünschtem zutritt zu hindern hat.
Die Bader
Sie sind für das Körperliche Wohlbefinden des Kindes verantwortlich. Sie kümmern sich um dessen Ernährung (mittels Breien), Flüssigkeitszufuhr, Sauberkeit, Gesundheit und auch um die Ausscheidungen. Sie überwachen alle Vitalzeichen und sind somit das weltliche Gegenstück zu den Höhrenden. Während diese sich um das psychische Wohlbefinden des *Kindes* kümmern, achten sie auf dessen physisches Wohlbefinden.
2. Die Geschwister
Hierunter fallen alle Aufgaben, die innerhalb der Reisegesellschaft notwendig sind um die Gemeinschaft auf emotionaler und psychischer Ebene funktionieren zu lassen. Sie sind das Geistige, Kulturelle und Pädagogische Fundament auf dem die Reisegesellschaft aufbaut
Die Lehrer
Sie sind für die Bildung der gesamten Reisegesellschaft verantwortlich. Selbst jene, die sie nicht direkt unterrichten, unterliegen ihrem beobachtenden Auge und ihrer pädagogischen Obhut. Im Austausch mit dem Kind erstellen sie die Lehrmaterialen, bauen darauf aufbauend Lehrpläne und sorgen dafür, dass das notwendige Wissen auch innerhalb der Reisegesellschaft verbreitet wird. Manche von ihnen sehen sich nicht nur als Lehrer, sondern auch als Gelehrte und versuchen eine Systematik in das Wissen und die Lehren der Reisegellschaft zu bringen. Diese Bemühungen stehen jedoch in großer Kritik von Seiten der anderen Gruppierungen, als auch innerhalb der Geschwister.
Die Historiker
Den Historikern obliegt es die „objektive Geistes- und Lehresgeschichte“ des Kindes zu verfassen. Es ist die einzige Position, welcher eine niederschrift von Inhalten zuerkannt wird. Von enigen der Mütter wird selbst dies als Problematisch angesehen, doch gedulded, da es auch zu Propagandazwecken von wichtigkeit ist. Doch niemand sieht diese Tätigkeit kritischer als die Historiker selbst. Sie haben sich einem sehr striken Kodex verschrieben was, warum und wie niedergeschrieben werden darf. Alles andere wird als Häresie verstanden. Ihre Schriftstücke werden auch im regen Austausch und unter strenger Kontrolle der Mütter verfasst.
Die Künstler
Wer sich mit den Lehren der Reisegesellschaft auseinandergesetzt hat, wird als eine der ersten Dinge festgestellt haben, dass es eine große Abneigung gegenüber jeder form under Unterhaltung gibt. Es mag also zunächst Kontraintuitiv wirken, dass gerade für sie Künstler so wichtig sind. Doch während die reine belustigung und erbauung nicht von relevanz für sie ist, so ist es sehrwohl die sichtbar- und höhrbarmachung ihrer Lehren. Denn ein Großteil der lebenden Menschen kann nicht lesen und so lassen sich die Lehren des Kindes direkt und äußerst anschaulich wiedergeben. Auch innerhalb der Reisegesellschaft werden ihre Tätigkeiten gern und oft in Anspruch genommen. Sowohl zur eigenen Belustigung (auch, wenn es selbstverständlich stets spirituell legitimiert wird) als auch zu liturgischen Zwecken.
Die Liebhaber
Während Sexualität in großen Teilen der Bevölkerung eher negativ behaftet sind, wird diese innerhalb der Reisegesellschaft sehr offen und lustvoll gelebt. Schon seit anbeginn hat es deshalb auch eine eigene Gruppe an Liebhabern gegeben, welche sich gänzlich den sexuellen Dienstleistungen verschrieben haben. Dabei geht es nicht nur um eine körperliche Dienstleistung, sondern ebenso auch um eine sprituelle und intelektuelle Erfahrung. Um das zu gewährleisten werden die Lieberhaber, neben den Müttern und Vätern, wohl am eingehendsten Unterrichtet. Sie gehören dementsprechend zu den gebildetsten Menschen der Reisegesellschaft. Manche sagen, dass sie ein größerens Wissen besitzen als alle anderen Geschwister, Mütter und Väter zusammen.
3. Die Oheime
Zu den Oheimen gehören alle körperlichen Tätigkeiten, welche von der Reisegesellschaft benötigt werden, um das weltliche Überleben zu sichern.
Die Jäger
Kümmern sich um die Wegfindung und Absicherung gegenüber Wildtieren. Bringen darüberhinaus auch Tiere, Früchte, Beeren und essbaren Wurzeln, welche sie im Wald und in der Wildnis finden.
Die Handwerker
Kümmern sich um Aufbau, Repeartur und Erstellung von Gegenständen, Gebäuden, Werkzeugen und anderen weltlichen Gegenständen, welche die Reisegesellschaft braucht. Darunter fallen Holzarbeiten, Schmiedetätigkeiten u.a.
3. Die Basen
Die Händler
Nicht alles, was die Reisegesellschaft braucht, kann sie selbst herstellen. Entweder, weil ihr das Wissen fehlt oder aber auch, weil diese mit einem Nomadischen Leben nicht vereinbar sind. Diese Resourcen werden von den Händlern zugekauft. Im Gegenzug verkaufen sie Reliquien, Kunstwerke und andere heilige Utensilien, die von der Reisegesellschaft selbst hergestellt wurden und von Gläubigen zu sehr hohen Preisen erworben werden.
Die Boten
Sie übernehmen jegliche Kommunikation zwischen dem Inneren der Reisegesellschaft und den Dorfbevölkerungen. Sie sind meist schon vor der Reisegesellschaft an einem Ort, verbreiten dort bereits schon die Kunde und bereiten alle auf die Ankunft des Kindes vor. Sie Sind Marktschreier, Werbetreibende und auch der Verlängerte Arm der Übersetzer. Denn was dort an Wort und Werk entsteht, dringt erst durch die Boten an die Ohren des gemeinen Volkes.
Hierfür werden auch unterschiedlichste Mittel genutzt. Neben der Sprache und Musik, werden hierfür auch Pamphlete und vor allem Zeichnungen und Grafiken . Diese werden entweder direkt von den Künstler*innen direkt erstellt oder aber von den Boten (oft krude) reproduziert.
Neben den offensichtlichen Taktiken der Ansprache, kann es auch sein, dass sich einzelne Boten verdeckt in Dörfern einfinden um mit Gerüchten und in Einzelgesprächen die Worte des Kindes zu streuen ohne, dass es ein offizieller Akt ist. So kann ein Dorf schon unterbewusst auf bestimmte Handlungen vorbereitet werden. Manche Ziele lassen sich so einfacher erreichen als über offizielle Wege.
Die Boten sind auch für viele Missverständnise und Falschaussagen verantworltich, die nicht im Sinne der Mütter und Väter sind. Dies passiert stets dann, wenn ein Bote entweder eine Information nicht richtig übernommen/verstanden hat oder aber auch, wenn sich ein Bote zu höherem berufen fühlt und anmaßt die Worte des Kindes selbst zu interpretieren.
Erscheinung und Verhalten
Die Reisegesellschaft tritt grundsätzlich in zwei Formen in Erscheinung. Entweder auf dem Weg zwischen zwei Orten, also als aktive Reisegesellschaft oder aber in ihrer stationären Form, wenn sie ihr Lager aufgeschlagen haben.
Auf Reisen
Die Reisegesellschaft tritt stets als ein großer Karawanenzug in Erscheinung. Er besteht sowohl aus Männern die sich zu Fuß fortbewegen, als auch aus Karren und Kutschen, die von Eseln gezogen werden. Von der Dorfbevölkerung wird dieser Zug entweder als Furchteinflösend oder als äußerst Andächtig beschrieben. Er ist vermutlich ein bisschen was von beiden. Grundsätzlich lässt er sich aber in drei Sektionen einteilen:
1. Sektion - Die Pilger
Vorn weg geht eine zwanzig Pilger, die alle den Boten angehören. Sie sind alle in lange, dichte, dunkle Kutten gehüllt und beten wiederholt die 20 Gebote des Kindes. Jeder von ihnen trägt eine Kette mit einzelnen Perlen aus Holz zwischen den Händen. Jede Perle repräsentiert eines der Gebote. Jede fünfte Perle ist dabei größer oder an der Oberfläche anders beschaffen. Dies hilft dabei den Überblick beim Beten nicht zu verlieren. Am Ende jeder Kette hängt ein großer, Überdimensionierter, goldener Zahn. Jeder ist ein Replikat eines der 20 Zähne, welche das Kind im Mund trägt.
Zusätzlich zu den zwanzig Pilger geht noch ein Vorbeter mit. Dieser ist stets aus der Gruppe der Künstler. Auch er ist in eine lange Kutte gehüllt. Jedoch in eine Prunkvolle, in hellen Farben, welche mit Goldeinlegearbeiten versehen ist. Der Vorbeter wird auch als Die Zunge betitelt.
2. Sektion - Die Karren
Der Großteil der Reisegesellschaft reißt auf einem der Karren. Sie werden von Eseln gezogen und darauf befinden sich alle Habseligkeiten, welche die Reisegesellschaft benötigt, wenn sie ihr Lager errichtet. Kleidung, Werkzeuge, Lebensmittel, Materialien, Bücher etc. Alles wird hiermit transportiert. Die Karren sind äußerst einfach gebaut, aus günstigem Holz und sie werden stets so lange benutzt und repariert bist sie vollends auseinanderbrechen. Da sie sehr simpel gebaut sind, tun sie das auch öfter als allen Beteiligten lieb ist. Dementsprechend wirken die meisten äußerst Baufällig und wurden schon mehrfach repariert oder halten oft mehr schlecht als recht zusammen.
3. Sektion - Die Kernfamilie
Am Ende der Reisegesellschaft befindet sich drei prunkvolle, mit Gold und Edelsteinen besetzte Kutschen. Groß und Sperrig. So Sperrig, dass manche Wege mit ihnen nicht befahrbar sind. Wegen ihnen muss die Reisegesellschaft wiederholt Umwege machen und längere oder auch beschwerlichere Routen für ihre Riese nutzen. Dort befindet sich die Kernfamilie. Also das Kind], die Mütter und die Väter. Jede der Gruppen hat ihre eigene Kutsche. Wobei einige der Diensthabenden Mütter und Väter sich beständig in der Kutsche des Kindes aufhalten um sich um es zu kümmern.
Außerhalb der Sektionen: Die Jäger
Außerhalb dieser Sektionen bewegen sich die Jäger. Sie umschwirren die Reisegesellschaft und achten darauf, dass die andächtige Prozession sicher und unbeschadet an ihr Ziel kommt.
Eigentlich sollte man hier auch noch jene Boten erwähnen, die in die Dörfer vorgeschickt wurden. Auch sie sind von den klaren Plätzen innerhalb der Reisesektionen enthoben.*
Das Lager
Das Lager gibt es in zwei Formen. Entweder in einer rudimentären Form, wenn das Lager auf Reisen nur für die Übernachtung aufgeschalgen wird, oder aber in seiner vollumfassenden Form. Diese wird stets dann errichtet, wenn die Reisegesellschaft länger an einem Ort bleibt. Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass dies an ein Dorf gebunden ist. Die Resegesellschaft schlägt ihr Zelt meist viel Länger an Orten, weit abgelegen von jedem Dorf auf. Denn dort können sie dem *Kind* am besten lauschen.
Beide Lagerformen positionieren die Karren und Kutschen wie einen Schutzwall um die Gemeinschaft herum. Innerhalb dieser werden in Kreisen, welche die hierarchischen Ordnungen der Reisegesellschaft respektieren, Zelte aufgebaut, welche als Lagerstätte für die Reisegesellschaft dienen.
Bei der Vollumfassenden Form befinden sich neben den Schlafzelten auch Kochstellen und Arbeitszelte darin. Denn hier wird ein simples aber voll funktionsfähiges Dorf aufgebaut, wo jeder seiner Arbeit nachgehen kann.
Die Zelte selbst, spiegeln in ihrer größe und gestaltung den jeweiligen Rang der Person wieder die sich darin aufhält. Von schäbigen, schmucklosen Zelten der Oheime und Basen bis hin zu dem prunkvollen, goldbestickten und überdimensionierten Zelt des Kindes gibt es die logischen Abstufungen.
Während die äußeren Ringe noch andacht und frömmigkeiten zur Schau stellen, mehr als Performance für die Dorfbewohner, wird in den inneren Kreisen durchwegs herzhaft und exzessiv gefeiert. Das ist dabei nichts, was im geheimen passiert oder etwa als „Sünde“ verstanden wird. Das Kind selbst hat das zum Gebot gemacht. Nur nach Außen versucht man ein frömmiges Bild zu wahren um die autoritäre Kraft nicht zu verlieren.
Dennoch sind selbstverständlich bereits Informtionen über das Ausschweifende verhalten der Reisegesellschaft nach außen getreten. Diese kursieren in übersteigerter Form als Halbwahrheiten, in den Köpfen der Dorfbewohner.
Es ist grundsätzlich etwas was sich bei vielen Personen der Reisegesellschaft beobachten lässt. Wenn gerade ihre Aufgaben nicht verlangt werden, dann sind sie oft äußerst zurückhalten, fast schon Apathisch. Als würden sie Energie sparen für jene Momente, wo sie gebraucht werden.
Außenwahrnehmung
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